Billy

Billy

August 2000 - Oktober 2014

Vor diesen Zeilen habe ich mich lange gefürchtet, da dieses den Abschied von unserem langjährigen Begleiter bedeuten würde.

Jetzt ist es soweit, ich sitze hier an meinem Laptop und tippe diese Zeilen...und es passiert, was seit einigen Tagen immer wieder einmal passiert, mir rinnen Tränen die Wange herunter. Nachdem wir über 14 Jahre mit unserem Billy zusammenleben durften, haben wir ihn vor zwei Wochen von seinen Leiden erlösen müssen.

Neben seinen altersbedingten Gebrechen (u.a. Arthrose) erkrankte er vor einigen Wochen an einer Anaplasmose, die ihn sehr zusetzte (Gewichtsabnahme, zusätzliche Gelenkschmerzen, Lustlosigkeit, Unwohlsein). Nachdem die Krankheit diagnostiziert war, sprang unser Vierbeiner anfangs super auf eine Antibiotikatherapie an und wir schöpften Hoffnung, dass er diese Krankheit übersteht und wieder auf seine Pfoten kommt. Während der Therapie erhielt Billy daneben von uns tägliche Infusionen mit einer Kochsalzlösung. Eineinhalb Wochen später erlitt Billy jedoch wieder einen Rückfall, er mochte nicht mehr gehen, nicht mehr fressen und machte ansonsten auch einen erschöpften, unglücklichen Eindruck auf uns.

Wir waren uns eigentlich immer einig, dass wir Billy nicht aus egoistischen Gründen halten werden und den tierärztlichen Empfehlungen folgen werden. Nachdem Billy auch in einer Tierklinik nicht mehr geholfen werden konnte bzw. uns dort gesagt wurde, dass wir ihn evtl. noch einmal mit Medikamenten kurz hochpäppeln könnten, er aber immer wieder zusammenbrechen würde, entschlossen wir uns, unseren Vertrauensarzt für den kommenden Tag nach Hause zu bestellen, um ihn dort von seinen Leiden zu erlösen.

Der Arzt sagte sein Kommen für 16 Uhr zu und wir verbrachte die letzten Stunden gemeinsam mit Billy in unserem Heim. Ihm ging es verhältnismäßig gut und ich fing an die Stunden bis zum Eintreffen des Arztes zu zählen. Auf der einen Seite wollte wir Billy nicht leiden sehen, aber auf der anderen Seite war der Gedanke unerträglich, dass unser Familienmitglied in Kürze nicht mehr bei uns sein sollte. Kurz nach 16 Uhr klingelte der Tierarzt und wurde von Billy freudig begrüßt. Wir setzten uns an einen Tisch und besprachen eine gute Stunde lang den weiteren Werdegang. Was ist das Beste für Billy, gibt es noch eine Therapie für ihn...letztendlich kamen wir zu Dritt überein, dass der Lebensweg von Billy hier sein Ende gefunden hatte und wir ihn jetzt gehen lassen sollten, wo es ihm noch einigermaßen ging, ohne zu warten bis er ganz unten angekommen ist.

Billy erhielt in seinem Körbchen die Narkosespritze und schlief friedlich in unseren Armen ein. Unsere Tränen flossen in Strömen und fließen auch jetzt wieder, aber wir waren es ihm einfach schuldig ihn gehen zu lassen. Der Kreis hatte sich hier in Kiel für Billy geschlossen: Vor 14 Jahren bin ich mit ihm als Welpe durch unseren Garten über dort liegende Äpfel stolziert und jetzt habe ich ihn dort begraben. Es verging bislang kein Tag, an dem wir nicht an seinem Grabe standen.

Billy war für uns ein Arbeitskollege, Freund und Familienmitglied und wir werden sicherlich noch Jahre an diesen außergewöhnlichen Hund denken und dankbar sein, dass wir ihn kennenlernen und mit ihm zusammen leben durften. 

 

Je schöner und voller die Erinnerung;
desto schwerer die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual
der Erinnerung in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne
nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

Dietrich Bonhoeffer

 

Was man tief in seinem Herzen besitzt,
kann man nicht durch den Tod verlieren.
    Johann Wolfgang von Goethe

 

Auf den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon

Jean de la Fontaine

 

 

 

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